Weiterbildung für IT-Interessierte

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Weiterbildung (nicht) für alle

Auch Frauen mit Kindern sollen in den Genuss von Aus- und Weiterbildung kommen.
Auch Frauen mit Kindern sollen in den Genuss von Aus- und Weiterbildung kommen.

Glaubt man internationalen Bildungsforschern, steckt die Weiterbildung in der Sackgasse. Nur besser Gebildete würden von Fortbildungen profitieren können. Laufbahnberater Jürg Enderli bezieht dazu Stellung.

Die Spezialbefragung im Rahmen der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE) hat gezeigt, dass im Zeitraum von zwölf Monaten 83 Prozent aller Erwerbstätigen ihren Wissenshorizont mit einer Fortbildung erweitert haben. „Weiterbildungswütig“ sind vor allem die Männer, von denen sich im letzten Jahr knapp 80 Prozent weitergebildet haben.

Jürg Enderli, sind Herr und Frau Schweizer weiterbildungswütig?
Nein, dem würde ich so nicht sagen. Ob man, wenn jemand für einen Tag einen Kurs besucht hat, bereits von Weiterbildung sprechen kann ist fraglich? Es gibt sehr viele Lebensläufe, in denen kaum eine Weiterbildung zu finden ist.

Wer sucht Sie als Laufbahnberater auf?
Oft Personen, die sich in ihrer beruflichen Situation nicht mehr wohl oder unzufrieden fühlen, sich in einer Sackgasse wähnen oder einfach Lust auf Neues haben. Dann aber auch Personen, die in ernsthaften beruflichen Schwierigkeiten (Burnout, drohende Arbeitslosigkeit) stecken.

Wie steht es mit der Weiterbildung von schlecht qualifizierten oder älteren Arbeitnehmern?
Mit der Weiterbildung verhält es sich oft so wie mit sportlicher Betätigung: Diejenigen, die Bewegung bitter nötig hätten, machen am wenigsten. Besonders Personen mit einem schlechten Bezug zum Lernen unternehmen am wenigsten. Allerdings ist es oft auch tatsächlich schwierig, gerade für schlecht Gebildete eine passende Weiterbildung zu finden

Wie hoch ist der Anteil an Frauen, die zu Ihnen in die Beratung kommen?
Ich berate zu etwa 60 Prozent Frauen.

Welches sind aus Ihrer Sicht die Argumente, welche für Weiterbildung sprechen?
Heute weiss man, dass besser Gebildete weniger gesundheitliche, finanzielle und soziale Probleme haben als schlecht Gebildete. Wer viel weiss, hat auch eher das Gefühl, Herr über das eigene Leben zu sein. Wer über Jahrzehnte hinweg nie eine Weiterbildung besucht, mindert nicht nur seine Selbstkompetenzen, sondern wird auf dem Arbeitsmarkt zunehmend unflexibler.

Gemäss Statistik bilden sich Angestellte mit einem Beschäftigungsgrad unter 50 Prozent selten weiter.
Dies dürfte oft der Realität entsprechen, weil sich die Arbeitgeber meist nur marginal an den Weiterbildungskosten beteiligen. Besonders die finanziellen Ressourcen dürften in diesen Fällen oft schnell erschöpft sein.

Welche Altersgruppe bildet sich im Speziellen weiter?
Die 25- bis 45-jährigen sind gemäss mir vorliegenden Statistiken am fleissigsten. Es ist auch die Altersgruppe, die sich beruflich am intensivsten bewegt.

Welche Branchen verlangen heute besonders intensiv nach Weiterbildung?
Technologielastige Branchen und jene, die starken Strukturwandeln unterworfen sind. Der gesamte Dienstleistungsbereich befindet sich heute in einem starken Wandel - Stichworte sind Globalisierung und neue Technologien.

Werden bei den heutigen Weiterbildungen eher Soft- oder Hard Skills in den Vordergrund gestellt?
Beides. Viele merken, dass sie in Bezug auf die persönlichen Herausforderungen an den Anschlag geraten. Gefragt sind dann Konflikt- oder Lernfähigkeit. Viele Weiterbildungen beinhalten deshalb beide Komponenten.

Wer bezahlt in der Regel die Weiterbildung?
In der Schweiz tun sich viele Arbeitgeber nach wie vor schwer mit der Finanzierung von Weiterbildungen. Oft läuft es auf eine Kostenteilung hinaus. Der Anteil der Personen, welche Weiterbildungen aus dem eigenen Sack berappen, ist in der Schweiz nach wie vor ziemlich hoch.

Wie viel kostet eine umfassende Laufbahnberatung bei Ihnen?
Die erste Stunde (Laufbahncheck) 80 Franken, dann jede weitere Stunde zwischen 150 und 180 Franken; eine komplette Laufbahnberatung mit umfangreicher Testabklärung zwischen 900 und 1200 Franken.

Mit Jürg Enderli sprach Gabriel Aeschbacher.
Weiterführende Informationen:
www.laufbahnzentrum.ch

Publiziert am 1. Juni 2007

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