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Loyalität im Unternehmen

Markus Schefer (41) ist selbständiger Personal- und Unternehmensberater. Daneben ist der ausgebildete Primarlehrer Dozent für das Fach «Verkauf» an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel.
Markus Schefer (41) ist selbständiger Personal- und Unternehmensberater. Daneben ist der ausgebildete Primarlehrer Dozent für das Fach «Verkauf» an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Basel.

Illoyale Angestellte sind laut Studien Umsatzkiller für ein Unternehmen. Diesem Phänomen wird in der Mitarbeiterführung noch viel zu wenig Beachtung geschenkt.

Ex-Chef zweifelt an Loyalität Béglés.» So giftelte die Pendlerzeitung «20 Minuten» neulich mit reisserischer Schlagzeile gegen den Ex-Post-Präsidenten. Im Artikel kommt Béglés Ex-Chef Peter Kruse zu Wort, welcher sich wenig schmeichelhaft über seinen ehemaligen Mitarbeiter bei der Deutschen Post äussert. «Aus eigener Erfahrung zweifle ich an der Loyalität von Herrn Béglé», lästert er und wirft diesem unverhohlen vor, hinter seinem Rücken gegen ihn intrigiert zu haben.

Was genau an dieser Posse wahr ist, lässt sich aus heutiger Sicht wohl nur noch schwer rekonstruieren. Viel entscheidender aber ist, dass man mit einer solchen Anschuldigung die Glaubwürdigkeit einer Person nachhaltig zerstören oder zumindest in Frage stellen kann.

Doch was bedeutet denn eigentlich Loyalität? In der Online-Enzyklopädie «Wikipedia» steht dazu folgendes: «Loyalität bezeichnet die innere Verbundenheit und deren Ausdruck im Verhalten gegenüber einer Person, Gruppe oder Gemeinschaft. Loyalität bedeutet, die Werte des anderen zu teilen und zu vertreten, beziehungsweise diese auch dann zu vertreten, wenn man sie nicht vollumfänglich teilt.

» Der Fall Claude Béglé zeigt, dass illoyales Verhalten bei einer breiten Bevölkerungsschicht nicht goutiert wird, ja sogar auf Ablehnung stösst. Soweit die Theorie. Doch wie verhält es sich mit der Loyalität im beruflichen Alltag?

Ehrlich oder loyal?
In einer Zeit, in der Individualismus und Flexibilität propagiert werden und immer wieder von mangelnder Solidarität die Rede ist, wird jene oftmals mit Füssen getreten, und zwar von Angestellten und Chefs gleichermassen. Es scheint fast, dass der Loyalitätsgedanke vor allem dann ins Spiel gebracht wird, wenn man daraus selber einen Vorteil ziehen kann. So ist es beispielsweise gängige Praxis, dass der Kandidat in einem Vorstellungsgespräch danach gefragt wird, wie lange er gedenke, bei der neuen Firma zu bleiben. Antwortet dieser dann offen und ehrlich, dass er sich ein Engagement von mindestens zwei Jahren vorstellen könne und man darüber hinaus in der heutigen Zeit sowieso nicht mehr wirklich planen könne, wird ihm dies unter Umständen bereits als mangelnde Loyalität gegenüber seinem künftigen Arbeitgeber ausgelegt. Denn der Arbeitgeber wünscht sich doch vom potentiell neuen Mitarbeiter ein wesentlich längeres Engagement. Dass dann aber die gleichen Personen auf Grund der schlechten Wirtschaftslage einen Mitarbeiter schon nach kürzester Zeit wieder entlassen, weil jetzt plötzlich die Gewinnmaximierung über der Loyalität zum Angestellten steht, zeigt wie heuchlerisch und missbräuchlich der Loyalitätsbegriff mitunter verwendet wird.

Doch auch Arbeitnehmer stehen vielfach nicht mehr zu ihrem Wort und sind nur zu oft auf ihren eigenen Vorteil bedacht: So sehen sich heute immer mehr Personalchefs mit der Tatsache konfrontiert, dass ein Kandidat, der einen Rekrutierungsprozess erfolgreich durchlaufen hat, am Ende dann der Firma doch eine Absage erteilt, weil er ein noch besseres Angebot von einem anderen Unternehmen bekommen hat. Selbst unterschriebene Arbeits- verträge sind dabei kein Hinderungsgrund, es sich nochmals anders zu überlegen und die neue Stelle gar nicht erst anzutreten.

Loyal primär gegenüber sich selbst
Nicht immer ist illoyales Verhalten in einem Unternehmen klar auszumachen und wird zum Teil vom Arbeitgeber mehr oder weniger stillschweigend toleriert. Dazu gehört beispielsweise die Verwendung der Arbeitszeit, zur Erledigung privater Dinge, was im Grunde genommen nichts weiter als ein geschäftsschädigender Akt gegen die eigene Firma darstellt. Zu diesem Schluss kam man auch in Bundesbern, wo man sich Ende letzten Jahres dazu gezwungen sah, den Zugang zu der Internet- Plattform Facebook zu sperren. Eine interne Erhebung hatte zuvor gezeigt, dass Facebook die am zweithäufigsten besuchte Website der Bundesverwaltung ist. Ein Aufruf zur gemässigteren Nutzung der Plattform im Frühjahr des gleichen Jahres blieb erfolglos.

Dass es mit der Loyalität der Arbeitnehmer nicht zum Besten steht, ergab auch eine Umfrage des Internet-Stellenportals Monster.de. Die Studie ging der Frage nach, wem gegenüber man sich in der Arbeitswelt am loyalsten fühle. Gerade mal 10 Prozent der Befragten antworteten mit «meinem Chef». Rund 19 Prozent fühlten sich ihrem Unternehmen verpflichtet und weitere 32 Prozent gaben das Team an. Der aber weitaus grösste Teil sagte aber, dass man sich vor allem sich selbst gegenüber am loyalsten fühle (siehe Grafik). Eine solche Studie mag auf den ersten Blick irritieren. Doch das Ergebnis spiegelt wohl ziemlich genau das wider, was in den Köpfen vieler Mitarbeiter heute vorgeht.

Umso nachdenklicher sollte einem die Tatsache stimmen, wie wenig Beachtung Firmen dem Loyalitätsbegriff zum Teil entgegenbringen. Dabei täten sie gut daran, ihr Augenmerk verstärkt auf diese Thematik zu richten, sind doch illoyale Mitarbeiter die grössten Umsatzkiller. Diverse Studien haben klar ergeben, dass unzufriedene Angestellte häufiger krank sind und durch ihr destruktives Verhalten das Arbeitsklima nachhaltig vergiften. Auf der Internetplattform «Business-Wissen.de» kann man nachlesen, dass die daraus resultierenden Produktivitätseinbussen 20 Prozent und mehr betragen. Und weil durch das ständige Gejammer dieser Angestellten auch die anderen Kollegen negativ beeinflusst werden, sinkt deren Produktivität ebenfalls um geschätzte 10 Prozent.

Freiwillig loyal
Wie können Führungskräfte dem entgegenwirken? Entscheidend ist, dass man sich als Vorgesetzter zunächst einmal bewusst wird, dass Loyalität zwar gefordert, aber nicht erzwungen werden kann. Loyalität ist nämlich eine Art ungeschriebener Vertrag, der auf Freiwilligkeit beruht und auf gegenseitiger Akzeptanz und Anerkennung aufbaut. Wer als Vorgesetzter von seinen Mitarbeitern blinden Kadavergehorsam verlangt, wird damit auf die Dauer keine loyale Mitarbeiter haben. Denn wirkliche Loyalität basiert auf der Mündigkeit und der Freiwilligkeit des Einzelnen, sowie in erster Linie auf einem partnerschaftlichen Vertrauen. Eine solche Vertrauensbasis aufzubauen, braucht aber Zeit. Sie stellt sich nicht automatisch ein. Loyalität ist keine Einbahnstrasse. Konkret bedeutet dies: Sie gilt nicht nur von unten nach oben, sondern auch umgekehrt. Mitarbeitende, welche sich von ihren Chefs nicht unterstützt und getragen fühlen, werden darum diesen gegenüber auch keine Loyalität entwickeln können.

Eine gute Führungskraft schafft deshalb ein Umfeld, wo loyales Verhalten entstehen und gelebt werden kann. Dazu gehört eine offene und transparente Informationskultur genauso wie die Möglichkeit, konstruktive Kritik anbringen zu können und diese auch entgegenzunehmen. Ein umsichtiger Vorgesetzter ist weiter darauf bedacht, dass seine Mitarbeiter sich am Arbeitsplatz wohl fühlen, dass sie sich mit dem Unternehmen und den Unternehmenszielen identifizieren können, die von ihnen ausgeübte Tätigkeit anerkannt und geschätzt wird und sie sich weiter in Entscheidungsprozesse einbringen können.

Die Exzesse der vergangenen Jahre sowie die anhaltend wirtschaftlich angespannte Lage dürfte für die Loyalität in vielen Firmen sicherlich nicht förderlich gewesen sein. Wenn Chefs sich ihre Boni erhöhen, während Angestellte entlassen werden und Spitzenmanager sich auf Firmenkosten persönliche Vorteile verschaffen, brauchen sich jene wiederum nicht zu wundern, wenn plötzlich auch das Personal nur noch auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Dazu nochmals ein Auszug aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia zum Thema Loyalität in der Wirtschaft: «Vorgesetzter und Mitarbeiter sind in einen gemeinsamen ethischen Kontext eingebunden. Der Treuepflicht des Mitarbeiters entspricht die Fürsorgepflicht des Vorgesetzten. » Auch in der heutigen Zeit gibt es Firmen, die sich ihrer Fürsorgepflicht bewusst sind und ihre Verantwortung gegenüber ihren Angestellten wahrnehmen. In solchen Firmen ist die Loyalität zum Unternehmen entsprechend hoch, kommt hier doch Albert Einsteins Ausspruch zu Anwendung, der wie folgt lautet: «Vertrauen und Loyalität können nur auf der Basis der Gegenseitigkeit gedeihen.»

Mit freundlicher Genehmigung von SwissITMagazine (Ausgabe 01/10).
Weiterführende Informationen:
www.scheferpersonal.ch
Loyalitätsumfrage unter Mitarbeitern

Publiziert am 27. Januar 2010

Schefer Personal- und Unternehmensberatung
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